Warum tun uns Heilpflanzen so gut?

Primär geht es um die Prävention, die Erhaltung und die Förderung unserer Gesundheit. Die Inhaltsstoffe der Heilpflanzen wirken auf vielen Ebenen: Über ihren Duft (ätherische Öle),
Farben (Flavonoide, Anthozyane, Betacarotinoide..) und viele weitere Stoffe.

In vielfältigen Anwedungsformen (Teemischungen, Wickel und Auflagen, Trinkturen, Salben Medizinweine, Massage-Öle, Heilkosmetik, etc.) kommen sie zum Einsatz.

Das Heilpflanzenjahr

  • Frühling - grüne Kraft mit Huflattich, Gänseblümchen, Gundermann, Veilchen, Giersch, Brennessel, Waldmeister und Löwenzahn
  • Sommer - Lichtfülle / Sonnenkraft mit Mädesüß, Melisse, Lavendel, Salbei, Heil-Ziest (Betonie), Königskerze und Ringelblume
  • Herbst - Erntesegen mit Gänsefingerkraut, Weißdorn, Ebersche, Schlehe und Roßkastanie
  • Winter - Rauhnachtzeit / Seelentiefe mit Wacholder, Efeu und Mistel

Wildkräuter-Portraits

Hier stelle ich Euch nach und nach einige Wildkräuter vor.

Knoblauchsrauke Alliaria petiolata (Kreuzblütengewächs)

Die im Mittelalter bekannte Heil- und Gewürzpflanze ist heute leider in Vergessenheit geraten; zu Unrecht wie ich finde. Äußerlich angewendet war es eine wichtige Pflanze zur Wundheilung, innerlich angewendet diente sie zur Lösung festen Hustenschleims sowie gegen Vitamin--C- Mangel (Skorbut).

Dank ihrer stoffwechselanregenden und entwässerenden Funktion nutze ich sie gerne als Bestandteil einer Frühjahrs- und Blutreinigunskur. Sie kann mit einem hohen Gehalt an Vitamin C und A punkten, ihre für Kreuzblütler typischen Senfölglykoside wirken antibakteriell und antioxidativ.

Es lohnt sich, die Würztradition unserer Vorfahren wieder zu beleben, denn die Knloblauchsrauke ist in der Küche vielfältig einsetzbar. Sie bietet verschiedene Geschmackskomponenten (knoblauchsähnlich, scharf, leicht süß und bitter). Sehr lecker schmecken die zarten Grundblätter ( immer vor der Blüte ernten, bei Blühbeginn werden sie sehr bitter).

Das Aroma leidet durch das Erhitzen, deshalb am besten roh genießen oder warmen Speisen kurz vor dem Servieren zufügen. Die kleinen weißen Blüten öffnen sich im April, aus ihnen entwickeln sich dünne grüne Schoten. Diese verwende ich kleingeschnitten als scharfes Gewürz. Im Sommer reifen darin kleine schwarze Samen, diese können geröstet und gemörsert zu Senf verarbeitet werden.  Weitere Verwendung finden die jungen Blättchen als Zutat in einem Wildkräuter-Pesto oder als Aromaträger für Essig und Öl.

Wiesenschaumkraut Cardamine pratensis (Kreuzblütengewächs)

Das Kraut erhielt seinen Namen von den kleinen Schaumhäufchen, die man manchmal an den Stängeln findet. Früher wurde als "Übeltäter" der Kuckuck benannt (daher auch der Name im Volksmund Kuckucksblume) um dessen Spucke es sich handeln sollte. In anderen Gegenden wurden Hexen als Täter vermutet. Tatsächlich produzieren die Larven der Schaumzikade aus dem Pflanzensaft den Schaum um sich vor Sonnenhitze und Fressfeinden zu schützen. Die Blätter des Wiesenschaumkrauts schmecken nur vor der Blüte lecker, dann verlieren sie ihre angenehme Schärfe (ähnlich wie Kresse) und werden bitter. Es ist nicht ganz einfach, die jungen Rosettenblätter im Gras vor der Blüte zu entdecken. Deshalb beschränke ich mich auf die Blütenblätter und verwende diese als essbare Verzierung für Salate und Suppen. Auch in einem Wildkräuter-Pesto, in einem Wildkräuter-Smoothie oder in einer Kräuterbutter macht es eine gute Figur. Ihr Geschmack ist milder als der Geschmack der Blätter. Die kleinen grünen Schötchen schmecken pfeffrig (siehe Knoblauchsrauke).  Es sollte allerdings maßvoll ver-arbeitet werden, in größeren Mengen können die Scharfstoffe zu einer Reizung der Magenschleimhäute führen. Wie alle Schaumkräuter ist es mineralreich, vor allem Kalzium, Magnesium und Kalium sind reichlich enthalten. Aber auch das Spurenelement Eisen und Vitamin A ist vorhanden. Wie bei allen Kreuzblütlern gehören Senfölglykoside zur Grundausstattung. Für Heilzwecke sollte das Kraut möglichst frisch und nicht getrocknet verwendet werden. Es wirkt antioxidativ, antibakteriell und antibiotisch. Das rechtfertig seinen Einsatz bei Erkältungskrank-heiten.


Schlüsselblume Primula veris (Primelgewächse)

Eine kleine Geschichte, wie die Schlüsselblume zu ihrem Namen kam: Petrus ließ eines Tages seinen Schlüssebund fallen. Schnell suchten die Engel auf der Erde danach, doch was sie fanden, waren nurmehr gelbleuchtende, wunderschöne Schlüsselblumen... Schlüsselblumen stehen bei uns komplett unter Naturschutz, das heißt die besonders heilkräftigen Wurzeln dürfen in der freien Natur nicht ausgegraben werden. Diese Wurzeln kauft man in der Apotheke (Primulae Radix). Oder, wenn man die Möglichkeit hat, kauft man kleine Pflänzchen in einer Heilpflanzengärtnerei  und setzt sie in den eigenen Garten. Im Herbst des 3. Lebensjahres (zu diesem Zeitpunkt ist der Saponingehalt am höchsten) kann die Wurzel geerntet werden. In geringen Mengen sind auch Salizylsäureglykoside enthalten, diese wirken schmerzstillend. Blüten und Kelchblätter mit den saponinhaltigen "Kelchhosen" darf man sich gerne ansehen, dürfen aber ebenfalls nicht gesammelt werden. Saponine sind so genannte "reinigende" Seifenstoffe. Die Blüten enthalten ebenfalls Flavonoide, Karotinoide und ätherische Öle.  Diese Inhaltsstoffe machen die Schlüsselblume zu einer bewährten Heilpflanze bei festsitzendem Sekret in den Nasennebenhöhlen und den Bronchien, bei Altershusten, Raucherhusten und  fiebrigen Erkältungen mit Kopfschmerzen. Wurzeln, Blüten und Kelche regen den Stoffwechsel an und wirken schweiß- und harntreibend. Deshalb ist die Schlüsselblume auch eine ideale Heilpflanze für eine entschlackende Frühjahrskur. Es gibt viele Möglichkeiten, die Wurzeln oder die Blüten einzusetzen: Tee (solo oder als Mischung, z. B. mit Gänseblumenblüten, Spitzwegerichblättern, Veilchenblüten und Fenchelsamen), Wurzelsirup, Likör, Essig, Hustenhonig oder in der Kinderheilkunde mit anderen Duftkräutern im Schlafkissen.

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Purpurrote Taubnessel Lamium purpureum (Lippenblütengewächs)


Die rote und die weiße Taubnessel sind wunderbare Futterpflanzen für Hummeln und... sie sind "kochtopftauglich". Am besten sammelt man die jungen Blätter und Triebspitzen vor der Blüte, also im März oder April. Sie eignen sich sehr gut für Aufläufe, in Gemüsegerichten, im Salat oder im Smoothie. Der Geruch ist etwas muffig, aber beim Dünsten entsteht ein angenehmes, mildes Aroma. Hübsch anzuschauen und im Geschmack sehr süß sind die Blüten, besonders attraktiv wirken sie in verschiedenen Farben als Beilage zu einem Salat. Sie schmecken aber auch lecker als milder Tee oder als Grundlage für Sirup oder Likör. Taubnesseln enthalten viel Provitamin A und Saponine. Früher war die weiße Taubnessel eine wichtige Heilpflanze in der Frauenmedizin (Wechseljahrsbeschwerden und schmerzhafte Menstruation). Die meisten Heilstoffe enthält das blühende Kraut.

Hirtentäschelkraut Capsella bursa-pastoris (Kreuzblütler)

Das Hirtentäschelkraut ist die Blutstillerin der Volksmedizin, unter den heimischen Gewächsen hat es die stärkste blutstillende Kraft. Das blühende Kraut enthält Aminosäuren, Prolin, Proteine und Flavonoide (Rutin u.a.), organische Säuren , Calcium und Kaliumsalze. Neben der blutstillenden Eigenschaft ist es krampflösend, blutreinigend und... machmal auch anregend auf den Blutfluss. Deshalb wird es in der Geburtshilfe zur Austreibung der Nachgeburt sowie zur Anregung des Wochenflusses gebraucht. As Anwendungsmöglichkeit in einer Teemischung mit Brennnesselblätter, Frauenmantelkraut, Schafgarbenkraut und Silbermantelkraut als blutflusshemmender Frauentee. In den herzformigen Früchten erblicken Signaturenkenner ein Herztonikum. In der Tat erweist sich das Hirtentäschelkraut als Muskeltonikum für Herz UND Uterus.

Geflecktes (echtes) Lungenkraut 
Pulmonaria officinalis (Raublattgewächse)

Schon der Name Pulmonaria weist uns auf seinen Bezug zur Lunge hin, pulmo ist die lateinische Bezeichnung für Lunge. In den Blättern spiegelt sich die Form der Lungenflügel wieder. In den beiden Farben der Blütchen ist der Farbwechsel des Blutes in den Kapillaren den Lungen zu sehen (von arteriellem zu venösem Blut). Im Volksmund wird es wegen der Blütenfarben auch Hänsel und Gretel genannt. Die jungen Blättchen schmecken im Salat oder in einer Kräutersuppe lecker. Als Hustensirup mit Blüten der Schlüsselblume, des Duftveilchens und des Huflattichs in Honig aushezogen (schichtweise in einem Glas). Ein Tee hilft dank der darin gelösten Schleimstoffe bei der Heilung entzündeter Stellen im Hals, Husten und Bronchitis.

Löwenzahn Taraxacum sect. Ruderalia (Korbblütler)

Der Löwenzahn vereiningt Leichtigkeit und Tiefe miteinander. Tiefverwurzelt in der Erde ist er, strotzend und strahlend und in der Reife leicht und frei dank seiner Samenschirmchen, die im Wind fliegen. Seine Löwenkraft verdankt er einer Vielzahl an Inhaltstoffen (Bitterstoffe, Mineralstoffe, Kalium, Flavonoide, Triterpen, Phytosterole, Vitamine und in der Wurzel Inulin.  Eine Löwenzahnlotion hilft bei allen Hautleiden wie Akne , Flechten, Ekzemen, Furunkeln und unreiner Haut. Im Frühjahr und im Herbst macht eine Löwenzahn-Teekur (drei Tassen pro Tag 3-4 Wochen lang) fit und gesund. Eine Tinktur wirkt bultbildend, stoffwechselanregend und wasser- und giftstoffausleitend. Sie wirkt unterstützend bei allen Viruserkrankungen und chronischen Infekten (z.B. Pfeifferisches Drüsenfieber). Für Räucherfans: die getrocknete Wurzel ist Bestandteil einer starken Schutzräucherung.